BNN 11.08.2015: Charisma des Bauernführers eingefangen

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Bruchsal-Untergrombach. Sie haben es nicht verlernt: Am Samstagabend hatte in Untergrombach das Freilicht-Schauspiel „Joß Fritz – Nichts denn die Gerechtigkeit Gottes!“, aufgeführt vom TKV „Bundschuh“, vor einem begeisterten Publikum Premiere.


1989 erfolgte die erste Aufführung anlässlich der „1 200-Jahr-Feier Grombach“. Der Untergrombacher Peter Kaiser, damals schon Initiator, Autor, Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person, überarbeitete des Stück um die Person des „Bundschuh-Ursächers“, des Untergrombacher Bauernsohns Joß Fritz für die Heimattage Baden-Württemberg neu.
Bei der Aufführung spielten wieder viele TKV-Mitglieder mit, die bereits anno 1989 dabei waren. Insgesamt 35 Sprechrollen, 30 weitere Darsteller und nochmals 30 Mitwirkende hinter der Bühne sorgten dafür, dass es den 230 Zuschauern im Atriums rund des TKV zu keiner Sekunde langweilig wurde. Heitere Szenen mit Musik, Tanz und Gesang wechselten ab mit brutalen Szenerien, in denen gefangene Bauern blutig gefoltert wurden, um weitere Namen von Mitverschwörern zu erlangen. Anfang des 16. Jahrhunderts konnte es nämlich Joß Fritz nicht mehr mit ansehen, wie der entrechtete Bauernstand im „Heiligen Römischen Reich Teutscher Nation“ ausgebeutet wurde. 1502 sollte der von ihm gegründete „Bundschuh“ im Grombachtal losschlagen, scheiterte jedoch an Verrat. Genauso erging es dem genialen Bauernführer 1513 in Lehen bei Freiburg und 1570 im Zabergäu.
Die einzelnen Lebensabschnitte von Joß Fritz wurden in dem Historien-Spiel szenisch dargestellt. Packend zu sehen, wie er seine Bundschuh-Brüder einschwört und den Bund durch heilige Eide bekräftigt. Nachdenklichkeit kommt auf, wenn man die Szenen mit Fronarbeit und Fronabgaben der geschundenen Bauern Revue passieren. Die ganze einnehmende Person des Bauernführers Fritz kommt zum Vorschein, wenn er etwa in einem Gasthaus in Jöhlingen neue Anhänger gewinnt oder sich einen Disput mit dem Fronvogt Peter Nagel von Dirmstein (dargestellt von Ko-Regisseur Norbert Müller) liefert. Insgesamt zwei Stunden entführten die Darsteller in das ausgehende Mittelalter. Alle Schauspieler überzeugten durch hervorragende Leistungen.

Bericht und Bild: Klaus Kehrwecker

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